Impro-Theater gibt es eigentlich schon genau so lang, wie das "normale"
Theater. Schon Shakespeares Schauspieltruppe war zu faul zum Text lernen und
hatte nur den Ablauf der Geschichte im Kopf. Aber vor allem im
Schauspieltraining hatte Impro schon immer eine wichtige Bedeutung. So kam es
auch, dass der Impro-Guru Keith Johnstone seine Schüler des Londoner Royal
Court Theatre in den 60ern mit den witzigsten Trainingsspielen vor Publikum
auftreten ließ: das Publikum tobte und forderte Zugaben - das reine
Improvisationstheater war wiedergeboren.
Ohne Proben läuft beim Theater gar nichts? Denkste! Alles, was die
Improvisations-Schauspieler an Informationen für eine Szene benötigen, fragen
sie beim Publikum innerhalb einiger Augenblicke ab - mal einen Ort, mal einen
Gegenstand oder auch nur einen Buchstaben. Die Sache wird nun einem
Raketenstart gleich eingezählt: 5-4-3-2-1-LOOOS. Was jetzt kommt, wissen die
Spieler ebenso wenig, wie die Zuschauer. Ob es nun ein Comic oder eine
Reality-Show wird oder gar beides - ob es zum Lachen, zum Weinen, zum
Beklatschen oder zum Ausbuhen ermutigt, wird sich erst am Ende der Szene
zeigen. Die Agierenden steuern in eine unbekannte Geschichte, die nur diese
eine Premiere haben wird. Wenn ihnen nun der gezeigte Schluss nicht gefällt,
wenn das Happy End ausblieb oder der Mord nicht grausam genug war? Kein
Problem - zeigen sie ihre Unzufriedenheit mit dem beherzten Wurf eines nassen
Schwammes direkt auf die Bühne oder -wenn sie ein eher schüchterner Charakter
sind- mit entsprechenden Buh-Rufen. Die Schauspieler werden sie über ihre
Äußerungen eingehender befragen und werden das kleine Theaterstück, ihren
Wünschen gemäß zu Ende bringen. So läuft das also bei den üblichen Impro-Shows.
Seit der Wiederauferstehung des Improvisationstheaters haben sich nämlich
bestimmte Spielformen über den ganzen Erdball verbreitet, so dass jeder
Improvisierer die amerikanische Show, den Gorilla, den Micetro usw. kennt.
Darüber hinaus haben viele Impro-Gruppen auch eigene Formate entwickelt. Es
wird nicht mehr ausschließlich nach dem Prinzip "Vorschlag aus dem Publikum -
Spielform - 5-4-3-2-1-LOOS!" operiert, sondern es werden sogennante Langformen
gespielt, die über einen ganzen Abend gehen können, Coaches werden eingesetzt,
die zwischen Improvisierern und Publikum stehen, man arbeitet mit Requisiten
oder direkt mit und im Publikum oder, oder, oder. Wenn das mal nicht
interessant und spannend ist! Also schauen sie rein, denn es gibt bestimmt
auch ein Impro-Theater in Ihrer Nähe!